Rollei

| Gründungsjahr: | 1920 |
| Gründer: | Reinhold Heidecke |
| Hauptsitz: | Berlin |
Geschichte:
Reinhold Heidecke hatte im Jahre 1916 die Idee zu einer neuartigen Rollfilm-Kamera, er arbeitete zu dieser Zeit als Fertigungsleiter im Braunschweiger Kamerawerk von Voigtländer. Jedoch wurde sein Vorschlag von dem Unternehmen nicht angenommen. So versuchte Reinhold Heidecke zunächst noch erfolglos, Startkapital für sein eigenes Unternehmen zu bekommen. So legte er seine Pläne schließlich Paul Franke vor, einem ehemaligen Mitarbeiter von Voigtländer. Dieser stellte Heidecke sofort 75.000 Markt zur Verfügung, und konnte noch anderweitig 200.000 Mark für Heidecke besorgen. 1919 beantragten beide einen Gewerbeschein für das Unternehmen "Franke & Heidecke", am 01.02.1920 folgte der Eintrag ins Handelsregister. Produziert wurde in den Räumlichkeiten in einem Wohnhaus in Braunschweig, hier war auch der erste Firmensitz von Rollei. Bereits 1 Jahr später wurde das ganze Haus für die Produktion genutzt, 1922 konnte man dieses dann kaufen.
Während der rasanten Geldentwertung im Jahre 1923 konnte Paul Franke die Exporteinnahmen geschickt für das Unternehmen einsetzen. Die Firma überstand diese schwierige Zeit somit relativ unbeschadet. Nun wurde auch ein neues Firmengebäude erworben, welches etwas außerhalb der Stadt lag und aufgrund der Geldentwertung fast umsonst gekauft werden konnte. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage wurden die Entwicklungsarbeiten jedoch zunächst eingestellt. 1927 entstand der Prototyp einer neuen Kamera welche Rolleiflex genannt wurde, 1928 kam noch ein weiterer Prototyp hinzu. Am 10.08.1928 startete dann die Produktion der ersten Serienkamera. Die Nachfrage nach dieser Kamera überstieg die Produktionsmöglichkeiten bei weitem und es wurden Kredite für eine neue Fabrik aufgenommen. So entstand 1930 ein neues Fabrikgebäude auf 2 Etagen, welches die Jahresproduktion von 20.000 Kameras ermöglichte. Mittlerweile beschäftigte das Unternehmen über 300 Mitarbeiter. Die Frau von Reinhold Heidecke regte den Bau einer Kamera speziell für Frau an, so kam die Rolleiflex 4 x 4 auf den Markt, welche sich jedoch nur in kleinen Stückzahlen verkaufte. Neben kleineren wurden nun auch größere Rolleiflex-Kameras entwickelt, 1933 erscheint mit der Rolleicord auch ein preisgünstigeres Gegenstück zur Rolleiflex, diese wurde bis Ende 1976 etwa 2.699.500 mal produziert.
Ein bedeutender Fortschritt gelang mit der im Juni 1937 präsentierten Rolleiflex Automat, bei der sich der Verschluss mit dem Drehen der Transportkurbel automatisch spannte. Diese Kamera gewann den Großen Preis der Weltausstellung 1937. Danach folgte die Gründung eines weiteren Werkes und 700 neue Mitarbeiter wurden eingestellt. Im Jahre 1938 produzierte Franke & Heidecke 300.000 Kameras. Durch die mit dem 2. Weltkrieg verbundene Kriegswirtschaft kamen ab dem Jahre 1940 keine neuen Kameramodelle mehr auf den Markt, und die Belegschaft wurde auf 600 Mitarbeiter reduziert. Neben den bekannten Kameras wurden und auch bei Rollei kriegsgewichtige Rüstungsgüter produziert, wie u.a. Zielfernrohre, Periskope und Richtkreise für die Artillerie. Nebenbei konnte man noch in kleinem Umfang an der Entwicklung von vergüteten Objektiven oder Blitz-Synchronisation arbeiten. Durch die schweren Bombenangriffe wurden auch die Rollei-Produktionsstätten in Braunschweig in Mitleidenschaft gezogen und zu 65 % zerstört. Braunschweig war danach britische Besatzungsszone, das Fortbestehen von Rollei wurde von der Besatzungsmacht auch unterstützt. Mit dem Tod von Paul Francke im Jahre 1950 , womit auch ein Stück Firmengeschichte zu Ende ging, Das fehlende kaufmännische Geschick von Paul Franke führte das Unternehmen mehrfach an den Rand des Ruins. Danach trat Horst Franke, der Sohn von Paul Franke, seine Nachfolge an. Unter seiner Leitung agierte die Unternehmensleitung jedoch insgesamt weniger erfolgreich, es fehlte ihm die nötige Flexibilität, sich auf veränderte Situationen einzustellen. Jedoch war Rollei zunächst noch ohne Konkurrenz, es gab jedoch über 500 Nachbauten. 1956 waren bereits 1.600 Mitarbeiter beschäftigt, 1957 sogar 2.000. Im Jahre 1960 kam der erste Rollei-Diaprojektor auf den Markt. Auch die Entwicklung der Kameras ging weiter, so kam im Jahre 1963 die erste komplette Neukonstruktion nach dem Krieg auf den Markt, die Rollei 16. Am 01.01.1964 folgte der 38-jährige Dr. Heinrich Peesel als Geschäftsführer und löste Horst Franke ab. Dieser schlug einen sehr riskanten Kurs ein, welcher nach anfänglichen Erfolgen in einem Fiasko endete. Sein Unternehmenskonzept stand im vollkommenen Gegensatz zur bisherigen Unternehmenspolitik. Peesel erhöhte den Werbeetat und gestaltete die Produktion effizienter, wofür er 110 von 120 Mitarbeitern mit Führungsfunktion entließ.
Am 26.08.1974 schied Dr. Heinrich Peesel aus dem Unternehmen aus, nachdem in der Vergangenheit enorme Verluste erzielt worden waren. Die Gesamtschulden beliefen sich auf ca. 500 Millionen DM, das Unternehmen gehörte inzwischen zu 97 % den Banken. Diese legten Rollei sogar nahe, das Unternehmen aufzulösen, hielten dann aber doch eine Sanierung für günstiger. Diese sah u.a. eine Reduzierung der Belegschaft vor, am 01.04.1975 übernahm Peter Canisius Josef Peperzak das Unternehmen. Doch auch er handelt zunehmend konzeptlos und verließ daraufhin die Firma am 28.02.1978 wieder. Neuer Geschäftsführer wurde nun Heinz Wehling. Zum 01.01.1982 teilte sich Rollei in 3 Firmen auf, die Rollei Deutschland GmbH, die Rollei Gebäude GmbH und die Rollei Fototechnik GmbH. 2004 gliederte die Rollei Fototechnik GmbH die Gerätefertigung in die Rollei Produktion GmbH aus. Die Rollei Fototechnik GmbH verkauft inzwischen fernöstliche Digitalkameras und Unterhaltungselektronik unter dem Namen Rollei GmbH. Die Rollei Produktion GmbH firmiert seit September 2005 als Franke & Heidecke GmbH. Das Unternehmen produziert wieder Projektoren, fototechnischer Zubehör sowie Mittelformatkameras und Objektive am alten Firmenstandort in Braunschweig.
Produktpalette:
Digitalkameras, Projektoren, Filme
MARKEN-Tags
Weblinks
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